Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht

23 Sep

„Die ständige  Entwicklung der tiefen, von romantischen Gefühlen völlig freien Zuneigung zwischen dem aristokratischen Inspector und der rauen Havers wird mit viel Geschick, ja sogar mit Zärtlichkeit erzählt.“

The Washington Post

Am 23. Oktober ist es endlich soweit, das Warten hat ein Ende: Der 16. Band der Inspector-Lynley-Reihe von Elizabeth George wird in Deutschland unter dem Titel „Wer dem Tode geweiht“ erscheinen. Mit Spannung, aber auch ein wenig Sorge erwartet, denn die beiden letzten Bände überzeugten nur wenige Fans. Und dieser?

Inspector Lynley ist zurückgekehrt von seiner Wandertour durch Cornwall, wo er in „Doch die Sünde ist scharlachrot“ bereits unfreiwillig wieder mitten in einem Fall landete. Die Frage, wann er wieder in den aktiven Dienst zurückkehrt, ist immer noch nicht geklärt – das ändert sich jedoch, als Isabelle Ardery, der wir bereits in einem früheren Band begegnet sind, auf der Bildfläche erscheint. Sie soll seine neue Vorgesetzte werden und sieht sich einem Team gegenüber, dass nicht gerade auf sie gewartet hat. Insbesondere Havers ist alles andere als begeistert – also entschließt sich Ardery, Thomas Lynley zurück ins Boot zu holen, um sich die Loyalität des Teams zu sichern.

Der Mordfall, den es zu klären gilt, ereignet sich auf einem Londoner Friedhof. Eine junge Frau, die vor Monaten fluchtartig ihren Heimatort verließ, wurde ermordet. Parallel zu den Ermittlungen wird der Leser mit den protokollarischen Aufzeichnungen eines grauenhaften Mordes an einem kleinen Jungen konfrontiert, der auf dem Fall James Bulger basiert. Endlich findet man in diesem Band wieder das, was Elizabeth Georges Bücher so reizvoll macht: Mord in bester, englischer Art, interessante Charaktere, menschliche Abgründe und nicht zuletzt eine Menge Humor. Keine mit Einzelsträngen vollgepackte Geschichte wie in „Doch die Sünde ist scharlachrot“, der man nur schwer folgen kann und deren Protagonisten permanent für moralische Belehrungen herhalten müssen. Wunderbar stringent und klar, ohne dabei den für George typischen Tiefgang zu verlieren.

Besonders schön in diesem Band sind Barbaras Auftritte – schon allein ihr unfreiwilliger Shoppingtrip mit Haddiyah, die ihr helfen soll, die neu angeordnete Kleidungsordnung einzuhalten, sorgt für große Erheiterung. Sie ist auch eine der ersten die bemerkt, dass Isabelle Arderys Ehrgeiz die Ermittlungen in völlig falsche Richtungen führt. Überhaupt stellt in meinen Augen Ardery die große und einzige Schwachstelle in diesem Roman dar: Eine alkoholkranke, überforderte Mutter, deren Charakter nur unzureichend beleuchtet wird, die Lynley ausnutzt und trotz unglaublicher Patzer in ihrer Position bleiben darf. Das wirkt tatsächlich relativ unglaubwürdig, dürfte aber so gewollt sein – denn meiner Vermutung nach wird Elizabeth George die Rolle von Isabelle Ardery weiter ausbauen, insbesondere ihr Verhältnis zu Lynley, sehr zum Leidwesen aller Fans der verstorbenen Helen. Insbesondere Lynleys Seelenleben, der Umgang mit dem Tod seiner Frau und seine Reaktionen auf Ardery sind sehr ungenau, teilweise auch unerwartet, überraschend, befremdend. Aber wie gesagt: Das ist der einzige Wermutstropfen, ansonsten ist dieses Buch eine wirklich sehr positive Überraschung.

2 Antworten to “Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht”

  1. Irina [Bücher über alles] September 24, 2010 um 11:39 am #

    Aus unerfindlichen Gründen war dieses Buch vollkommen an mir vorüber gegangen – vielleicht, weil ich von den Vorgänger-Bänden so wenig überzeugt war.

    Deine Rezension klingt aber wirklich gut; ich werd den Band in jedem Fall lesen! Wäre ja toll, wenn sich Elizabeth George wieder „fangen“ würde.🙂

  2. rotaeffchenundich September 30, 2010 um 8:50 am #

    Jetzt bin ich auch neugierig geworden. Kann mich meiner Vorschreiberin nur anschließen, die letzten Bücher von ihr (also, E.G.s, nicht meiner Vorschreiberin, haha) waren wirklich nicht so toll. Ich glaube, dieses hier werde ich wohl doch mal wieder lesen. Danke für deine Rezension! Gruß vom Rotäffchen, das jetzt hier mal öfter vorbeischauen wird

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