Val McDermid: Vatermord

4 Okt

„Manchmal gestand er sich selbst ein, dass Freundschaft nicht der richtige Ausdruck für das Band war, das sie trotz ihrer komplizierten Vergangenheit fest zusammenhielt.“

Wenn das nicht mal ein verheißungsvoller Anfang für alle Carol Jordan/Tony Hill-Fans ist! Bereits nach wenigen Seiten sinniert der smarte Psychologe während einer ziemlich langweiligen Party über die Beziehung zu DCI Jordan, ihre Haarfarbe, ihren Lieblingswein…klingt ganz so, als würde Val McDermid im sechsten Band, der in Deutschland Anfang Oktober erscheint, die Frage, ob diese beiden wohl jemals zusammenkommen, beantworten?

Beginnen wir am Anfang. Ein 14jähriges Mädchen wird ermordet und verstümmelt aufgefunden. Schnell steht fest, dass hier ein Psychopath am Werk sein muss, denn weitere Opfer folgen. Sie alle sind im Alter des Mädchens, per Internet -Community nimmt der Täter mit ihnen Kontakt auf und erschleicht sich ihr Vertrauen, fragt sie aus, gibt vor, ihre Interessen zu teilen. Das Thema an sich ist nicht neu, es wäre einiges möglich gewesen.

Leider rückt Val McDermid in dieser Folge der Reihe sehr von ihrer üblichen Vorgehensweise ab, was dem Buch absolut zum Nachteil gereicht. Wurde der Täter, seine Psychologie, sein Denken in den vorangegangenen fünf Bänden akribisch unter die Lupe genommen, sucht man dieses Mal vergeblich nach düsteren Abgründen seiner Persönlichkeit, die von Tony Hill förmlich seziert werden. Natürlich hat er ein Motiv, auch die Aufklärung am Ende ist durchaus logisch, aber dieser Teil, der McDermids Bücher ausmacht, fehlt komplett. Sehr schade.

Vielleicht wäre das für den Leser weniger schlimm, wenn sich wenigstens in Sachen Carol-Tony irgendetwas tun würde. Es findet keinerlei Zusammenarbeit statt, beide suchen getrennt voneinander nach einem Täter und stellen erst am Ende fest, dass es sich dabei um dieselbe Person handelt. Tony ist permanent damit beschäftigt, über seine eigene Vergangenheit zu sinnieren und spricht eigentlich so gut wie gar nicht mit Carol, schon gar nicht im privaten Sinne. Ein großer Rückschritt, nachdem im vorherigen Band endlich doch im letzten Kapitel Hoffnung aufkam. Man muss sich langsam fragen, ob McDermid, ähnlich wie es beispielsweise leider auch Kathy Reichs tut, die  Entwicklungen in den (Liebes-)Beziehungen ihrer Hauptcharaktere stagnieren lässt, um den Leser zum Kauf des nächsten Buches zu zwingen. Irrungen und Wirrungen sind ja sehr nett, aber permanentes Ja-Nein-Vielleicht sorgt für Frust – besonders wenn Rückschritte derart unmotiviert und unlogisch sind.

Die Geschichte an sich ist, wie bereits erwähnt, in Ordnung. Nichts Besonderes, aber gut und realistisch, wenn auch weniger spannend als sonst. Und zumindest bei mir wirkt ihre Hinhaltetaktik…denn ich werde mir auf jeden Fall den nächsten Band ebenfalls holen. Irgendwann wird es ja wohl schließlich mal mit Tony und Carol klappen😉

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