Literaturnobelpreis 2010

7 Okt

© picture-alliance/ dpa

„Man kann Kopfschmerzen nicht dadurch heilen, dass man den Kranken enthauptet.“

Mario Vargas Llosa

Am 10. Dezember wird der diesjährige Literaturnobelpreis an den peruanischen Autoren Mario Vargas Llosa verliehen werden. Ein Autor, der den meisten vermutlich weniger durch seine Bücher als durch sein politisches Engagement bekannt sein dürfte, schon allein aufgrund seiner Bewerbung für das Präsidentenamt Perus vor 20 Jahren.

Erstes Aufsehen in der Literaturszene erregte er mit gerade einmal 26 Jahren, als sein erster, autobiographisch geprägter Roman „Die Stadt und die Hunde“ erschien, in der er vom Leben in der unglaublich brutalen Militärakademie berichtete. Seine Kritik an einer Gesellschaft, in der sich die Stärkere durch Einschüchterung, Hetzkampagnen oder Mord durchsetzt, führte dazu, dass sein Werk öffentlich verbrannt wurde. Er blieb trotzdem politisch stark engagiert, wandte sich von den Linken ab, kritisierte schließlich in seinem Buch „Gegen Wind und Wetter – Literatur und Politik“ sogar Gabriel García Márquez für dessen kritiklose, anbiedernde Haltung gegenüber dem sozialistischen Regime.

Die Begründung für die Vergabe des Preises an ihn überrascht deshalb nicht: „[…]für seine Kartografie von Machtstrukturen und seine energischen Bilder des individuellen Widerstands, der Rebellion und Niederlage“. Ein mutiger Autor, der sich in seinen Werken in keine ideologischen Schubladen stecken lässt, sondern vornehmlich für die Wahrung der Menschenrechte kämpft, der nach Heilung für das Volk sucht, dessen Warnungen oft ungehört verhallten und sich später traurigerweise oft bestätigten. Mit Sicherheit auch ein Autor, bei dem sich die Meinungen spalten, der oft mit seinen Worten auf wenig Gegenliebe in Europa und Amerika stieß, der auch jetzt wieder von einigen Kritikern in die Ecke des rechten Islamhassers geschoben wird. Ein unbequemer Autor und ein wunderbarer Schriftsteller, der diesen Preis zu Recht verdient hat – und zum ersten Mal seit langer Zeit findet auch Reich-Ranicki lobende Worte, wenn es um die Wahl eines Literaturnobelpreisträgers geht: „Eine sehr gute Entscheidung. Vargas Llosa ist ein Schriftsteller mit Fantasie und Realismus, mit Gefühl für die Figuren. Und er ist sehr gut lesbar.“ Dieses Jahr sei das Votum der Jury ja „gar nicht so dumm“. Man könnte jetzt diskutieren, inwieweit er damit, in Hinsicht auf die letzten Preisträger, Recht hat. Aber wozu? Fakt ist, dass mit der Vergabe dieses Preises die Werkes eines des wichtigsten südamerikanischen Schriftstellers jetzt vermutlich auch in Europa bekannter werden – eine durchaus begrüßenswerte Folge.

Wer gerne etwas mehr über den Mann erfahren möchte, dem sei diese Laudatio von Frank Schirrmacher empfohlen, die er anlässlich der Vergabe des Freiheitspreises der Friedrich-Naumann-Stiftung an Vargas Llosa 2008 hielt und bei Suhrkamp findet man nicht nur seine Biographie, sondern auch sämtliche auf Deutsch veröffentlichten Werke sowie Hörspiele und Theaterstücke.

 

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