Rick Yancey: Der Monstrumologe

16 Okt

„Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich diesen Mann verstand, dem ich so viel verdankte, diesen Mann, der den obdachlosen, verwaisten Jungen aufnahm und ihn zu dem Mann formte, der aus mir geworden ist.“

Mit diesen Worten beschreibt Will Henry seinen Chef, Doktor Warthrop, dessen Spezialgebiet die Monstrumologie ist – er studiert nicht nur Monster, sondern macht auch, wenn nötig, Jagd auf sie. Als eines Tages ein Grabräuber zu den beiden kommt und von einer grauenhaft zugerichteten Leiche berichtet wird schnell klar: Die einzigen, die diese gefährliche Bestie stoppen können, sind Will Henry und Warthrop…

Es ist schwierig, dieses Buch zu bewerten, denn ich hätte es mir niemals freiwillig ausgesucht. Ich mag Geschichten mit Monstern, Geistern und Bestien eigentlich überhaupt nicht  – außer, sie sind harmlos und süß wie die aus der Monster AG😉 Entsprechend lange saß ich daran; ganze vier Wochen dauerte es, bis ich zur letzten Seite kam.

Ein ganz großer Pluspunkt dieses Buches liegt in seiner schönen Aufmachung. Der Buchdeckel enthält Prägungen, die Seiten sind verziert, es gibt ein Lesezeichen und viele Zeichnungen im Buch. Das allein dürfte im Buchladen für die nötige Aufmerksamkeit sorgen, denn es ist wirklich selten, dass ein Paperback derart nett daherkommt. Allerdings führt es vermutlich auch dazu, dass viele „Der Monstrumologe“ für ein Jugend- oder gar Kinderbuch halten. Das ist es definitiv nicht, denn Rick Yancey schildert bis ins Detail, was die blutrünstigen Monster so alles anstellen, wie der Doktor sie tötet, wie die entstellten Opfer aussehen. Da blättert man selbst mit Mitte 20 noch manchmal schnell weiter…

Die Geschichte selbst ist sehr spannend, teilweise aber auch einfach zu lang geraten. Dadurch, dass alles aus Will Henrys Perspektive erzählt wird, verliert es sich oft in langatmigen Schilderungen seiner Gefühlswelt. Trotzdem, und das ist wirklich seltsam, bleibt einem dieser Junge merkwürdig fremd. Obwohl er so viel Einblick in seine Seele, sein Empfinden gibt, kommt man als Leser nicht an den Punkt, wo man ihn versteht, mit ihm fühlt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschehnisse nun von Will Henrys erwachsenem Ich berichtet werden, Erinnerungen eines älter gewordenen Mannes an seine Kindheit, die zu logisch und zu durchdacht sind, nicht recht zu den kindlichen Empfindungen passen.

Gewöhnungsbedürftig ist die Sprache, die sehr altmodisch anmutet, aber bald vertraut ist und die Atmosphäre unterstützt. Wirklich störend ist hingegen das permanente „Will Henry,…“ des Doktors; dem Folgeband, der wohl schon in Planung ist, würde es guttun, den Jungen einfach nur „Will“ zu nennen oder ab und zu einfach komplett auf den Namen zu verzichten. Wenn außer dem Doktor und seinem kleinen Assistenten niemand zugegen ist, muss man ihn auch nicht in jedem Satz mit vollem Namen ansprechen, oder? Eine Kleinigkeit, die leider nach mehreren Kapiteln wirklich etwas nervt.

Ansonsten ist das Buch für Fans dieses Genres sehr empfehlenswert, da die Geschichte wirklich spannend ist und gut erzählt wird.

 

Eine Antwort to “Rick Yancey: Der Monstrumologe”

  1. Charlene Oktober 16, 2010 um 6:55 pm #

    Wieder einmal eine schöne Rezension!
    Hört sich wie gemacht für mich an und ist deshalb schon auf der Wunschliste🙂

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