Clare Clark: Die französische Braut

28 Okt

„Auf Geheiß Seiner Majestät werden zwanzig junge Frauen zur Verehelichung mit Kanadiern und anderen männlichen Bewohnern nach Fort Louis expediert, um die Kolonie auf solidere Grundlage zu stellen. Diese jungen Frauen sind allesamt fleißig und wurden fromm und tugendhaft erzogen. Es wird der Kolonie zum Vorteil gereichen, wenn sie ihre nutzbringenden Kenntnisse den Indianerfrauen angedeihen lassen.“

Mit diesen Worten aus einer Erklärung an die Bewohner von Fort Louis beginnt Clare Clarks „Die französische Braut“. Elisabeth Savaret ist eine dieser jungen Frauen, die 1704 in die französische Kolonie Louisiana gebracht werden. Keine von ihnen weiß, ob sie überhaupt von einem der Männer auserwählt werden wird…

Elisabeth hat Glück: Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft im heißen, stickigen Louisiana heiratet sie Jean-Claude Babelon, einen Soldaten. Anfangs bemüht, ihm gegenüber ihre distanzierte Art aufrecht zu erhalten, muss sie bald erkennen, dass sie ihm regelrecht verfallen ist. Aber nicht nur Jean-Claudes lange Expeditionen zu „den Wilden“ sind eine große Bewährungsprobe für die junge Ehe. Auch Auguste, aufgewachsen bei den Indiandern und Jean-Claude treu ergeben, wird zum Problem, als er sich in Elisabeth verliebt. Ein klassischer Plot, meint man, und glaubt, die Entwicklung der Geschichte vorherzusehen. Doch so viel sei verraten: Sie verläuft nicht nach dem altbekannten Muster.

Man merkt beim Lesen sofort, dass die Autorin sehr gründlich recherchiert hat. Die Beschreibung des Lebens in einer kleinen französischen Siedlung mit gerade einmal 200 Bewohnern, die auf „die Wilden“ angewiesen sind, um zu überleben, ist äußerst detailliert. Ganz anders verhält es sich da mit den Charakteren. Diese sind derart schwach entwickelt, dass man absolut keinen Zugang zu ihnen hat. Ihre Handlungen und Gefühle scheinen völlig unmotiviert, meistens wirken sie einfach nur unsympathisch. Von Elisabeth, deren moralische Überlegenheit bereits nach den ersten Seiten kaum zu ertragen ist, bis hin zur Sklavin Jeanne, die als stereotype stolze Indianern herhalten muss. Die Beziehung zwischen Jean-Claude und Elisabeth besteht primär aus Sex und eifersüchtigen Drohungen, es bleibt völlig unklar, worin ihre angeblich so große Liebe besteht und wie sie sich entwickelte.

Einige Verhaltensweisen sind angesichts der damaligen Zeit und dem angeblich so strengen katholischen Glauben Elisabeths absolut nicht nachvollziehbar. Beispielsweise spricht sie mit allen Männern in einer Art, welche die Autorin sicherlich gerne als emanzipiert beschreiben würde, die aber im 18. Jahrhundert völlig undenkbar war. Es ist einfach alles in sich nicht stimmig, die Heldin soll krampfhaft als solche dargestellt werden, notfalls auf Kosten der Authentizität. Permanent wird betont, wie stolz, eigensinnig, dickköpfig sie ist – Eigenschaften, die durchaus positiv sein können, aber hier einfach nur das Bild einer vom Leben enttäuschten, verbitterten, uneinsichtigen Frau zeichnen.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir prinzipiell recht gut, aber sie schafft es nicht, Emotionen zu transportieren. Die Dialoge sind sparsam; vieles ergibt sich aus den Zwischentexten, oft wird erst Seiten später klar, warum die Person so reagierte. Im Gegensatz dazu ufern die Beschreibungen der Szeniere teilweise aus, viele Metaphern wirken übertrieben. Alles in allem ein anstrengendes Buch, für das man wirklich Geduld braucht.

 


Ich danke Hoffmann & Campe für dieses Rezensionsexemplar!

2 Antworten to “Clare Clark: Die französische Braut”

  1. Ailis Oktober 28, 2010 um 11:55 am #

    Daher mag ich historische Romane mit weiblichen Helden nicht so gerne, da sie meistens in einer Art emanzipiert dargestellt werden, die einfach nicht stimmig ist…

  2. Bibliophilin Oktober 28, 2010 um 1:45 pm #

    Danke, dass Du dieses Buch rezensiert hast.
    So weiß ich, dass ich es nicht lesen muss😉

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