Harry Dolan: Böse Dinge geschehen

31 Okt

„Die Wochen vergingen – es wurde September und Anfang Oktober. Dann klingelte an einem Mittwochabend das Telefon. Tom Kristoll rief an. Er frage sich, ob Loogan ihm wohl einen Gefallen tun könne. Er brauche einen Spaten.“

David Loogan ist Lektor bei „Gray Streets“, einem Krimi-Magazin, und soll seinem Chef Tom helfen, eine Leiche zu beiseitigen. Unter Freunden kann man sich einen solchen Gefallen ruhig einmal tun – wer ahnt denn auch, dass der eigene Boss der nächste ist, der das Zeitliche segnen wird?

Eine schlechte Woche für den geheimnisvollen David Loogan, der, so viel erfährt man bereits nach wenigen Seiten, nicht wirklich so heißt und eine mysteriöse Vergangenheit hat: Im Wohnzimmer seines Chefs Tom liegt ein toter Mann. Kaum ist die Leiche vergraben, stirbt seltsamerweise auch Tom. Als zu guter Letzt auch noch in seinem eigenen Haus eine Leiche auftaucht, steht fest, dass David selbst ermitteln muss, um Detective Elizabeth Waishkey von seiner Unschuld zu überzeugen. Dumm nur, dass er ausgerechnet mit Toms Frau eine Affäre hatte…

Wie ein roter Faden zieht sich die Frage, wer David Loogan eigentlich wirklich ist, durch das Buch. Man lernt ihn nur langsam kennen; vieles ist anfangs nicht nachvollziehbar oder bleibt im Dunkeln. Fast hat man den Eindruck, man würde ihm von Ort zu Ort, von Verdächtigem zu Verdächtigem folgen, einfach stumm zusehen und dadurch seinen Charakter kennenlernen. Selten offenbart sich ein Protagonist dem Leser so schleichend – genau das hebt David Loogan von der Masse der anderen Ermittlerfiguren im Krimi-Dschungel ab.

Henry Dolans Schreibstil gefiel mir von der ersten Seite an ausnehmend gut. Er spart nicht mit Ironie und lockeren Bemerkungen, kann aber auch durchaus sehr ernsthaft und beobachtend schreiben. Er findet genau das richtige Maß, um den Leser nicht zu langweilen. Auch längere Passagen sind flüssig und gut lesbar, die Spannung geht nicht verloren. Die Charaktere sind oft undurchschaubar, aber insbesondere Loogan ist einem trotzdem sehr sympathisch. Ich persönlich empfinde das Buch in dieser Hinsicht als ein echtes Meisterwerk, so etwas gelingt wirklich wenigen Autoren.

Einziger Wermutstropfen ist in meinen Augen das Ende des Buches, das sich doch etwas sehr in die Länge zieht, und die Anzahl der Personen. Natürlich machen viele verschiedene verdächtige Charaktere den Plot spannender, aber ab einem gewissen Punkt verliert man ein bisschen den Überblick. Zwei kleine Dinge, die den wirklich sehr positiven Eindruck des Buches kaum beeinflussen.

Ich danke dtv für dieses Rezensionsexemplar!

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