Ophelia Hansen und Mark Jischinski: Spatzenmuse

31 Okt

„Hallo Frau Spatz. Ich weiß wirklich nicht, wie Sie auf die Idee kommen, dass ich Sie zurückrufe. Weder habe ich Ihre Telefonnummer, noch habe ich eine Nacht mit Ihnen verbracht, über deren Qualität ich mit Ihnen streiten könnte. Ich weiß nicht einmal, wie Sie aussehen, sodass ich nicht abschätzen kann, ob die entgangene Nacht ein Verlust oder ein Gewinn ist.“

So lautet Max Tettenborns Antwort auf die e-Mail einer Unbekannten, Carlotta Spatz, die ihn für ihr letztes, sehr miserables One-Night-Stand hält und ihm eigentlich nur gehörig die Leviten lesen will. Leider hat sich Carlotta die Adresse des eher mäßigen Liebhabers falsch gemerkt und landet mit ihrer höchst amüsanten Beschwerde bei Max…

Die meisten wären wohl angesichts einer solchen Antwort vor Scham im Erdboden versunken und hätten mit hochrotem Kopf gleich einen neuen e-Mail-Account eingerichtet. Carlotta Spatz aber antwortet. Eigentlich nur, um sich zu entschuldigen. Als Max ihr jedoch daraufhin erneut eine e-Mail schickt, entwickelt sich ein reger Austausch – mal lustig, mal nachdenklich, aber immer von einer unglaublichen lebendigen, virtuosen Sprache der beiden Autoren geprägt. Während Carlotta sprudelnd alle ihre Gedanken und Geschichten erzählt, ist Max zurückhalten und taut erst langsam auf. Das Schöne an diesem kleinen Buch ist: „Spatzenmuse“ ist nichts à la „e-Mail für dich“ – zufällige e-Mail, große Liebe, Happy End. Und keine Sekunde lang findet man das schade…

Die beiden Autoren haben sich übrigens nicht abgesprochen; alle Mails wurden in Echtzeit geschrieben und beide wussten absolut nicht, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen würde. Das kann völlig schiefgehen, hier aber funktioniert es bis zum Ende. Beide erschaffen glaubhafte Charaktere, die im Laufe des Romans immer lebendiger und authentischer werden und sich ihrem Gesprächspartner mehr und mehr öffnen, ihre großen und kleinen Geheimnisse offenbaren.

Ein wirklich schönes, überraschendes Buch, das ich dank Ada Mitsous Interview mit Ophelia Hansen und Mark Jischinski entdeckt habe. So schön, dass ich auf eine Fortsetzung hoffe😉

Wer gerne einen kleinen, gelesen Eindruck haben möchte, sollte sich dieses Video ansehen oder am 24. November die Lesung der beiden Autoren im COMMA Gera besuchen:

Ich danke dem Adakia-Verlag in Gera für dieses Rezensionsexemplar!

Eine Antwort to “Ophelia Hansen und Mark Jischinski: Spatzenmuse”

  1. Ada Mitsou Oktober 31, 2010 um 3:55 pm #

    Ich freu mich, dass dir das Buch auch gut gefallen hat🙂

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