Judith Lennox: Das Haus in den Wolken

4 Nov

„In den darauffolgenden Tagen kam sie ihm mehrmals in den Sinn. Das schwarze Haar, die stolze Haltung, als sie in dem regenschweren, langen Rock und der durchnässten roten Jacke an ihm vorübergegangen war. Wie eine Königin – eine rote Königin, dachte er.“

Reicher Mann trifft zufällig arme, schöne Frau und heiratet sie – bei vielen Romanen wäre an dieser Stelle Schluss. Judith Lennox ‚ Geschichte beginnt erst nach der Hochzeit von Richard Finborough und Isabel Zeale wirklich und begleitet die Familie über 30 Jahre lang.

Mit der Geburt von Theo, Philip und Sara scheint das Glück perfekt. Isabel lebt für ihre Kinder, Richard baut ein gutgehendes Geschäft auf und meldet sich im Ersten Weltkrieg freiwillig – verwundet kehrt er schließlich nach England zurück. Was er jedoch nicht ahnt: Seine Frau hat ein Geheimnis, wird schließlich sogar deswegen erpresst. Und auch sonst wird es nicht ruhig bei den englischen Buddenbrooks…

Ich war positiv überrascht von diesem Buch, denn es ist nicht die Art seichter Liebesroman, die man vom Klappentext her erwartet hätte, sondern eher ein Gesellschaftsroman. Vor dem Hintergrund der Weltkriege zeichnet Judith Lennox ein detailliertes Bild der Geschehnisse und herrschenden Konventionen, die insbesondere der unstandesgemäßen Isabel auch Jahre nach der Hochzeit noch das Leben schwer machen. Inhaltlich bietet der Roman nichts Neues; viele Irrungen und Wirrungen der Charaktere, die Schlag auf Schlag kommen und die Familie auf harte Proben stellen. Leider waren für meinen Geschmack die Familienmitglieder alle ein bisschen zu attraktiv, geheimnisvoll, einzigartig. Besonders Isabel wurde mir absolut nicht sympathisch, da sie es geradezu darauf anlegt, mysteriös und unnahbar zu sein. Da konnte auch das bereits nach wenigen Seiten gelöste Geheimnis nicht helfen.

Schön finde ich Lennox‘ Schreibstil, der flüssig und spannend ist. Auch ihre Beschreibungen der Szenerie sind sehr anschaulich. Allerdings hat man oft das Gefühl, die Autorin hätte noch viel mehr schreiben wollen und musste sich beeilen, all ihre Ideen auf knapp 600 Seiten unterzubringen – es wirkt alles ein bisschen gekürzt, gehetzt. Alles in allem ein interessanter Roman, dem es aber gut getan hätte, wenn man ihn inhaltlich und in Bezug auf die Anzahl der Charaktere weniger überfrachtet hätte.

Ich danke Piper für dieses Rezensionsexemplar!

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