Deutschlandstiftung Integration (Hrsg.): Sarrazin. Eine deutsche Debatte

11 Nov

„Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur Integration eine Debatte eröffnet, die Deutschland bewegt wie lange keine mehr. Alle wichtigen politischen Kommentatoren, Politiker, Publizisten haben sich geäußert. Von der kühlen Analyse bis zur heißen Polemik, von Zustimmung bis zu scharfer Ablehnung reicht die Palette. Dieser Band vereinigt die wichtigsten Texte und die entscheidenden Autoren: Wer mitreden will, sollte alle Standpunkte kennen. Eines ist sicher: Diese Debatte hat Deutschland verändert – und sie wird weitergehen.“

 

Es ist schwierig, dieses Buch zu bewerten, denn wie will man eine völlig unkommentierte Zusammenstellung von Texten benoten? Es gibt lediglich einen wichtigen Punkt kritisch zu befragen: Sind beide Lager, Gegner und Befürworter, mit ausgewählten Beispielen gleichermaßen vertreten? Die Antwort lautet klar „Ja“, auch wenn das Vorwort bereits deutlich macht, auf welcher Seite sich die Herausgeber sehen. Sinnvoller wäre es gewesen, die Artikel für sich selbst sprechen zu lassen und kurz das Anliegen, mit diesem Werk einen Beitrag zu erfolgreicher Integration zu leisten, zu benennen.

Da ich nun schlecht jeden einzelnen der Artikel auseinandernehmen und bewerten kann, habe ich mich entschlossen, gezielt einige Passagen mehrerer Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien auszuwählen, um euch einen Eindruck zu vermitteln.

Die sinnlosesten Informationen (Hildburg Bruns für „BILD erklärt Thilo Sarrazin“): Flucht vor den Russen nach Recklinghausen, mit der Mutter auf einem britischen LKW voller Hopfen. Kaffeetrinker und Wenigesser, mittags zwei halbe belegte Brötchen (Käse, Kochschinken) vom Bäcker. Seit 36 Jahren verheiratet mit der Grundbesitzertochter Ursula. Golft oft auf der Insel Usedom.

Neuester Neologismus (Robert Misik für die „taz“): Sarrazynismus

Die schönsten Worte (Ralph Giordano für „Die Welt“): „Thilo Sarrazins Buch ist ein Stoß mitten ins Herz der bundesdeutschen Political Correctness, ein Frontalangriff auf Deutschlands Multikulturalisten, xenophile Einäugige und Pauschalumarmer. Die vereinte Riege der Berufsempörer, Sozialromantiker und Beschwichtigungsapostel zerreißt ein Buch in der Luft, das sie nicht gelesen hat […]. Da bläst eine schrille Kakofonie zum moralinsauren Halali!“

Unwissendster Autor (Götz Aly für „Die Frankfurter Rundschau“): „Ich fand noch keine Zeit, sein Buch zu lesen.“

Am dramatischsten (Heribert Prantl für „Die Süddeutsche Zeitung“): „Thilo Sarrazin hat sein Buch mit vergiftetem Toner gedruckt.“

Die traurigste Wahrheit (Henryk M. Broder für „Der Spiegel“): „Niemand hat es was dagegen, positiv diskriminiert zu werden. Es schmeichelt den Deutschen immer noch, als das „Volk der Dichter und Denker“ bezeichnet zu werden, obwohl jede Pisa-Studie das Gegenteil belegt.“

Der beste Spitzname (Günther Nonnenmacher für „Frankfurter Allgemein Zeitung“): „Sarrazin war der Harald Schmidt der SPD – Dirty Thilo.“

Am Nachdenklichsten (Matthias Matussek für „Spiegel online“): „Es sind diese Passagen in Sarrazins Buch, die mir die interessantesten scheinen. In ihnen spricht sich die Melancholie darüber aus, dass die Deutschen nicht nur demografisch an ihrem Verschwinden arbeiten, sondern sich auch von ihren Kultur- und Bildungshorizonten verabschieden.“

Die kürzteste Zusammenfassung eines 500-Seiten-Buches (Nils Minkmar für „FAZ online“): Klassischer Bildungsroman. Mittelbegabter, fauler Junge entdeckt die Literatur und rettet sich selbst. Jetzt verachtet er alle, die nicht so geworden sind wie er.“

 

Eine breite Mischung, die sich in diesem Buch findet. Von guten Analysen bis hin zu billigster Propaganda, von wohl durchdachten kritischen Ansätzen bis zu unreflektiertem Nachplappern. Ein Werk, dass auch für diejenigen interessant sein dürfte, die Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ nur in Auszügen kennen – danach will man es auf jeden Fall selbst wissen und liest es. Oder ist von einer derartigen Streitkultur, die manchmal wirklich ein gewisses Niveau erwachsener Journalisten vermissen lässt, so genervt, dass man nie wieder ein Wort davon hören möchte…

 

Ich danke Piper für dieses Rezensionsexemplar!

 

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