Felix Benz: Wok ’n Roll

12 Nov

„Wir waren zu zwölft am Tisch, und jeder hatte einen Extrawunsch. Marions Vater aß eigentlich alles – sieht man von Aufläufen und Gerichten mit ausländischem Namen ab. Daher hieß Lasagne nun „Westfälische Nudelplatte“, Aufläufe waren Ofengerichte.“

Als Felix Benz seine Kochlehre beginnt, steht er mit seinem Berufswunsch ziemlich verlassen da – Koch wird man zu dieser Zeit nur aus Mangel an besseren Möglichkeiten. Entgegen den Vorstellungen von Eltern und Lehrern geht er nach Zürich, um von dort aus kochend die Welt zu erobern…

Sein Buch beginnt mit dem Einstieg ins erste Lehrjahr und endet Jahre später auf den Cook Inseln mit seiner Hochzeit. Dazwischen passiert so einiges: Kakerlaken fallen von der Decke, Köche tanzen betrunken auf Hoteldächern, eine Freiluftküche versinkt im Sand. Er trifft die unterschiedlichsten Leute und stellt fest: Die meisten Köche sind nicht nett („Erbärmlicher Nichtsnutz! Sowas ist mir noch nie unter die Augen gekommen! Eine Schande für den ganzen Berufsstand! Dumm, schwul, hässlich, drogenabhängig, dreckig und faul  – das kann ich alles noch verstehen, aber dass einer meine Demi Glace in den Ausguss kippt…“), aber absolute Mimosen, wenn es um sie selbst geht. Er landet in Spitzenrestaurants der ganzen Welt, von England über Israel bis Südafrika, und betreibt heute einen Catering-Service in der Schweiz.

Witzig: Das Buch hat nicht nur ein Glossar, welches einem die Begriffe erklärt, die man bei „Die Küchenchefs“ hört und nie versteht, sondern auch ein Daumenkino. Für Kochmuffel vermutlich die falsche Lektüre, denn es geht eigentlich nur um zwei Dinge; Kochen und Frauen. Zweiteres ist auch der einzige Wermutstropfen an diesem Buch…speziell der Anfang dreht sich zu großen Teilen um die ewige Frage des Jungkochs, wo man möglichst unkompliziert willige Mädchen findet. Da das Buch vermutlich eher Frauen ansprechen wird, hätte man davon ausgehen können, dass die an solchen Details eher weniger interessiert sind als 16jährige Jungen. Ein Punkt, wo man sich meines Erachtens etwas mehr Gedanken um die Zielgruppe hätte machen sollen.

Alles in allem ein sehr unterhaltsames Buch, witzig und gut lesbar, aber wahrscheinlich nichts für Leute, die nicht eine gewisse Leidenschaft für’s Kochen haben. Man sollte es allerdings nicht mit leerem Magen lesen…

Ich danke Lübbe für dieses Rezensionsexemplar!

 

 

 

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