Jessica Brody: Treuetest

3 Dez

„Meine Mission war vom ersten Tag an sonnenklar. Die Wahrheit aufzudecken. Meinen Auftraggeberinnen Gewissheit zu verschaffen, damit sie die Möglichkeit haben, einen Schlussstrich zu ziehen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Nicht alle halten meine Arbeit für ehrenwert. Deshalb weiß auch kaum jemand darüber Bescheid. Besser gesagt niemand.“

Ich gewann „Treuetest“ bei einem Gewinnspiel von Charlene und nutzt die Chance ein Buch zu bekommen, was ich mir niemals im Laden kaufen würde. Zur Auswahl standen vier Romane – ich suchte mir den mit den besten Amazonbewertungen aus, ich gestehe😉 Manchmal findet man ja auch in einem Genre, das man eigentlich nicht so mag, tolle Ausnahmen. Dementsprechend war ich also sehr gespannt und las das Buch in einem Atemzug durch…

Jennifer Hunter hat einen etwas ungewöhnlichen Beruf: Sie testet im Auftrag besorgter Ehefrauen die Treue der dazugehörigen Ehemänner. Bei jedem Auftrag schlüpft sie in die Rolle von „Ashlyn“, die mal sportbegeisterte Stewardess, mal elegante Karrierefrau ist,  je nachdem, was der Kandidat bevorzugt. Sie inszeniert gekonnt Begegnungen mit den „Testobjekten“, ergreift jedoch nie die Initiative, reagiert nur auf  die Angebote der Männer – bis sie jedes Mal im letzten Moment die Notbremse zieht, sich outet und geht, um den Ehefrauen Bericht zu erstatten.

Unnötig zu erwähnen, dass Jennifer sich mit dieser Arbeit wenige Freunde macht. Die betrogenen Frauen schwanken zwischen Verzweiflung und der Frage, ob sie das richtige getan haben, die fremdgehenden Männer sind im günstigsten Falle beschämt, meistens aber eher wütend. So wie Raymond, der keine Sekunde damit verschwendet, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, sondern Rache schwört. Er will andere Männer von Ashlyn warnen, die Treuetesterin öffentlich denunzieren. Dumm nur, dass Jennifer niemandem von ihrem Beruf erzählt und auch gerade noch den Mann ihrer Träume kennengelernt hat…

Natürlich erwartet man von einem Buch diesen Inhalts keine tiefschürfenden Charakterstudien oder komplizierte Probleme. Gut und böse wird klar getrennt, denn die Autorin lässt keine Gelegenheit ungenutzt, Jennifer über die hehren, ehrenwerten Motive dieser Berufswahl sermonieren zu lassen. Irgendwann ist es schier unerträglich, zum x-ten Mal „Ich bin Treuetesterin, weil / obwohl / und…“ zu lesen. Vielleicht erwartete Jessica Brody eine solche Entrüstung unter ihren Leserinnen, dass sie nun seitenlang Jennifer und ihren Job verteidigen muss?  Man weiß es nicht.

Die Charaktere blieben für mich völlig flach und eindimensional; es erschließt sich einfach nicht, warum Jennifer ihr ganzes Umfeld belügen will, wo ihre Tätigkeit doch angeblich so moralisch wertvoll ist. Über sie selbst erfährt der Leser kaum etwas, es beschränkt sich, wie gesagt, auf ständiges Kommentieren ihres Berufs. Die Hälfte des Buches verbringt man damit, der Protagonistin beim Männertesten zuzusehen, bis schließlich irgendwann Rache-Raymond auftaucht und einen Hauch Spannung in das Ganze bringt. Leider konnte auch der durchaus gute Schreibstil der Autorin „Treuetester“ nicht retten, denn die Wiederholungen zerstören wirklich vieles. Ich persönlich war jedenfalls wirklich sehr von diesem Roman enttäuscht und wundere mich nach wie vor über die unglaublich guten Amazon-Bewertungen…😉

Eine Antwort to “Jessica Brody: Treuetest”

  1. Charlene Dezember 3, 2010 um 6:53 pm #

    😀
    Mehr kann man dazu glaube ich nicht sagen.

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