Jutta Profijt: Kühlfach zu vermieten

12 Dez

„Ich fühlte mich einsamer als je zuvor, und so hing ich wie eine Klette an Martin, dem einzigen Menschen auf der ganzen Welt, zu dem ich Kontakt aufnehmen kann. Dr. Martin Gänsewein war von dieser Entwicklung alles andere als begeistert, denn er und ich sind nicht immer einer Meinung. Das ist jetzt zurückhaltend formuliert. Man könnte auch sagen: Wir sind gegensätzlicher als Schwarz und Weiß, Bruce Willis und Mireille Mathieu, ein Dinosaurier und ein Osterhase – aber ich soll mich ja einer einigermaßen zivilisierten Sprache bedienen und nicht dauernd polarisieren oder übertreiben, also halte ich mich zurück.“

Wie könnte man im Rechtsmedizinischen Institut mehr Geld verdienen? Man vermietet im heißesten Sommer seit Jahren einfach die Kühlfächer an Bestattungsunternehmen, Polizei und andere Behörden. So zumindest die Idee des neuen Leiters Philip G. Forch. Doch das Chaos hält Einzug, und als schließlich eine Leiche verschwindet, schaltet Dr. Gänsewein Pascha ein, der als Geist durch das Institut schwirrt…

Pascha ist allerdings alles andere als begeistert, denn er ist gerade in glühender Liebe zu Irina, der Enkelin des Nachtwächters, entbrannt. Blöd nur, dass die von seiner Existenz nichts weiß und Pascha bei jedem Telefonat schier vor Eifersucht explodiert. Und auch sein Freund Martin macht ihm das Leben schwer, will der doch mit seiner Freundin zusammenziehen – ganz ohne Pascha. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn mit wem soll er sich dann unterhalten, wo Martin doch der einzige ist, der ihn hören kann?

Selten war ein Geist so amüsant wie dieser hier. Pascha findet generell alles „voll peino“ und hat größte Schwierigkeiten, die „vernünftige Wortwahl“, zu der ihn seine Lektorin zwingt, anzuwenden. In diesem dritten Teil der Reihe aber scheint er sich wirklich Mühe zu geben, denn nie zuvor war die Gefahr so groß, es sich komplett mit Martin zu verscherzen. Der hat nämlich langsam die Nase voll davon, dass Pascha ihn ständig in peinliche Situationen bringt, ihm ins Gehirn brüllt und despotisch Anweisungen gibt, die natürlich prompt erfüllt werden müssen. Gemeinsam machen sich beide auf die Jagd nach den Leichendieben und  bemühen sich mehr als je zuvor, miteinander auszukommen.

Für mich war „Kühlfach zu vermieten“ der bisher beste Teil der Serie. Gewohnt witzig und ungebremst schleudert Pascha seine Weisheiten in die Welt, aber er ist rücksichtsvoller gegenüber Martin geworden. Leider bringt dieses Buch einen auch dazu, unkontrolliert an einigen Stellen loszukichern – mein Nachbar im Flugzeug wurde durch mein Dauergrinsen so neugierig, dass er gleich selber einige Kapitel gelesen hat. Vor dieser Nebenwirkung sollte also gewarnt werden😉

Ich danke dtv für dieses Rezensionsexemplar!

4 Antworten to “Jutta Profijt: Kühlfach zu vermieten”

  1. Ailis Dezember 12, 2010 um 11:04 am #

    Ein Geist, der nicht begeistert ist.😀
    Kenne diese Reihe noch gar nicht…

  2. Schneewittchen Dezember 12, 2010 um 11:06 am #

    Kannte ich auch nicht! Hab zuerst den dritten Teil gelesen und dann schnell die beiden anderen, aber der dritte gefällt mir am Besten. Kann ihn dir gerne mal leihen, deine Wunschliste ist ja schon lang genug😀

  3. Ailis Dezember 12, 2010 um 11:27 am #

    Irgendwann biegen sich hier noch die Regalbretter, ich sag’s dir.😀

  4. Ela Dezember 12, 2010 um 2:51 pm #

    Danke für Deine Rezi.
    Wenn mein Sub wieder etwas abgenommen hat, werde ich mir die Reihe vielleicht auch vorknöpfen. Dank Deiner Rezension bin ich jetzt noch neugieriger.
    LG ELa

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