Frage: Werden Krimis immer dümmer?

10 Jan

Heute entdeckte ich diesen Artikel im Kulturteil der Süddeutschen: „Noch nie war der Krimi so erfolgreich. Aber noch nie gab es auch so peinliche Figuren, noch nie so verstiegene Plots. Der Kriminalroman wird immer dümmer – und gräbt sich sein eigenes Grab.“ Es folgt ein Abriss über teilweise sehr bekannte Autoren und ihre Liebe zu Psychopathen, Serienkillern und stereotypen Mördern. Unter anderem war ein Beispiel dabei, über das ich mich selber beim Lesen ziemlich ärgerte: Patricia Cornwells „Die Dämonen ruhen nicht“, wo besagter Wolfsmann, Jean-Baptiste Chandonne, sein Unwesen treibt. Schon allein beim Vornamen denkt man sofort an „Das Parfüm“, auch im Laufe des Buches fällt auf, dass die Autorin sich teilweise nicht gerade zurückhaltend an Patrick Süßkinds Roman Plot bediente.

Tja, was denkt ihr? Werden die Krimis tatsächlich immer dümmer, die Mörder immer ähnlicher? Welche sind euch positiv oder negativ aufgefallen? Lieber Krimis à la Agatha Christie, die ihren kauzigen Hercule Poirot oder Miss „Das erinnert mich an den Sohn des alten Jack /Harry / Charles…“ Marple losschickt, oder doch spektakulärere Fälle mit teilweise etwas zu überragenden Helden? Mögt ihr bestimmte Reihen oder lest ihr lieber Einzelbände? Gerne dürft ihr auch eure Geheimtipps hier veröffentlichen, vieles entgeht einem ja angesichts der riesigen Auswahl😀 Ich bin gespannt!

11 Antworten to “Frage: Werden Krimis immer dümmer?”

  1. Ailis Januar 10, 2011 um 3:08 pm #

    Hm, hab den Artikel heute morgen auch schon mal überflogen. Manchem kann ich zustimmen, es gibt schon recht eindeutige und leicht zu durchschauende Muster. Nur was mich immer häufiger stört, ist das Nichtunterscheiden von Krimis und Thrillern. Denn bei Thrillern denke ich auch oft: Kennst du einen, kennst du alle…

  2. Schneewittchen Januar 10, 2011 um 3:40 pm #

    Ich dachte immer, beim Thriller kennt der Ermittler den Täter und rennt in möglichst dramatischer, halsbrecherischer Jagd hinter ihm her, und beim Krimi verbringt er halt Ewigkeiten damit, durch viele Gequatsche den Täter erstmal rauszufinden😀 Hmm…aber dann gäbe es erstaunlich wenig Thriller, oder?

  3. Ailis Januar 10, 2011 um 4:35 pm #

    Für mich sind das meiste Thriller!😀 Eben diese ganzen reißerischen und möglichst blutigen Serienkillerszenarien. *g* Meistens gibt es da auch mehr als einen Toten, da müssen gleich immer Massengräber her, Innereien müssen genauestens beschrieben werden und das Blut muss literweise fließen.😀

    • Schneewittchen Januar 11, 2011 um 8:50 am #

      Und bevorzugt sind es dann irgendwelche Superpsychopathen, bei denen der despotische Vater mal das Meerschweinchen verhungern ließ und somit an allem Schuld ist, jawohl. Auch immer gut: Organhandel oder brutale Russen. Letzteres besonders im amerikanischen Raum immer noch seeehr beliebt😉

  4. Nina [libromanie] Januar 11, 2011 um 12:05 am #

    Ich mag atmosphärische Krimis mit originellem Personal wesentlich lieber als actiongeladene Thriller, die meist ja auch ziemlich blutig und unnötig eklig sind. Da ich generell nicht soo viel Spannungsliteratur lese, bin ich wahrscheinlich noch einfacher zu beeindrucken als jemand, der diese Bücher reihenweise verschlingt, aber auch mir fällt auf, dass sich viele Thriller doch recht ähnlich sind. Deswegen lasse ich mir ja auch immer so viel Zeit zwischen den einzelnen Büchern.😉

    Wirklich geheim sind meine Tipps zwar nicht, aber »Grabesgrün« ist immer eine Empfehlung wert. Außerdem hat mir – trotz teils recht brutaler Szenen – »Die Reinheit des Todes« von Vincent Kliesch sehr gut gefallen.
    Mein aktueller Thriller »Killervirus« ist zwar superspannend, aber solche Politpharmageschichten werden wohl die Ausnahme bleiben. Dann schon lieber Flavia de Luce. Den zweiten Teil höre ich gerade und der gefällt mir auch wesentlich besser als der erste.

    Liebe Grüße,
    Nina

    • Ailis Januar 11, 2011 um 9:38 am #

      Oh ja, Tana French ist super!
      Und für die meisten Thriller bin ich auch zu zart besaitet. Mir wird ganz anders, wenn ich da so manche Folterpraktik lese, das ist nichts für meinen Seelenfrieden.
      Krimis allerdings lese ich unheimlich gerne!
      Flavia reizt mich auch sehr, eben weil ich diesen Tipp schon von vielen Seiten bekam – also, rauf auf die Wunschliste!🙂

      • Marie Januar 11, 2011 um 9:54 am #

        Ich bin so froh, dass beispielsweise Fiona beim aktuellen Lovelybooks-Verschenk-Buch nicht mal die Leseprobe überstanden hat. Ich kam nicht mal über die Zusammenfassung hinaus. Bücher Richtung Horror oder Splatter ertrage ich überhaupt nicht, wer will den detaillierte Schmerzschilderungen lesen…huah…

      • Ailis Januar 11, 2011 um 10:21 am #

        Die Leseprobe habe ich gar nicht gelesen, mir langte die einleitende Erklärung schon, um zu wissen, dass das nichts für mich ist.😀 Ich steh dazu: ich bin eine Memme!😀

  5. Schneewittchen Januar 11, 2011 um 8:46 am #

    Von Flavia de Luce hat mir meine Kollegin vorgeschwärmt…aber ihr Büchergeschmack ist meistens etwas ausgeflippt, deswegen hab ich es noch nicht gelesen😉 Aber dann besorge ich mir das auf jeden Fall mal, es scheint ja viele Fans zu haben😀

  6. Maren Januar 12, 2011 um 8:06 pm #

    Finde ich nicht. Oder ich lese die falschen Krimis😉
    Gerade in diesem Genre lese ich gern Titel, die schon etwas älter und somit nicht (mehr) so gehypt sind. Das Krimigenre ist soooo vielfältig! Das wird mir nie langweilig. Ich mag vor allem die etwas Subtileren a la Ingrid Noll, Karin Alvtegen oder Sabine Deitmer.

    Aus dem Stegreif ein paar originelle und wirklich GAR nicht langweilige oder vorhersehbare Krimis:
    Jón Hállur Stéfansson – Eiskalte Stille
    Karin Alvtegen – Der Seitensprung
    John Misto – Des Teufels Stimme
    Sabine Deitmer – Perfekte Pläne
    Tim Krabbé – Das goldene Ei
    Linwood Barclay – Kein Sterbenswort (eher Thriller)
    Susanne Mischke – Mordskind

  7. Irina [Bücher über alles] Januar 17, 2011 um 11:35 am #

    Ich bevorzuge ja eher die ruhigeren Ermittlerkrimis mit gut durchdachtem Plot ohne viel Action – Krimis, in denen die Ermittler ihr Hirn anstrengen, Beweise sammeln, Kombinieren und souverän ihre Fälle lösen, ohne selbst in Lebensgefahr zu geraten. Zu meinen Lieblingsautoren zählen seit jeher Agatha Christe, lange Zeit auch Elizabeth George und Martha Grimes (die leider beide immer schlechter werden; Grimes hab ich inzwischen ganz aufgegeben) und Autoren wie Dick Franics, Henning Mankell und Deborah Crombie. Gute Krimis dieser Art sind aber inzwischen relativ schwer zu finden, ist mein Eindruck.

    Ich bin vom Krimilesen abgekommen, weil ich ab Ende der 1990er- bzw. Anfang der 2000er-Jahre kaum noch neue Krimis gefunden habe, die mir wirklich zugesagt haben. Ich hatte zunehmend den Eindruck, dass immer mehr auf „billige Effekte“ gesetzt wurde – bloß keine blutigen, ekligen Details auslassen und unbedingt den Ermittler in Lebensgefahr bringen. Mal finde ich sowas ja in Ordnung und spannend, aber wenn nur noch Serienmörder und Psychopathen die Krimis/Thriller bevölkern und jedesmal aufs Neue der Ermittler und/oder seine Familie ins Visier des irren Killers geraten, nervts irgendwann einfach. Patricia Cornwell scheint mir diesbezüglich ein wenig die Vorreiterrolle eingenommen zu haben, ihre Kay Scarpetta wurde ja mehrere Bücher lang von einem Psychopathen verfolgt …

    Ob die Krimis »dümmer« werden, weiß ich nicht … In jedem Fall haben sie sich sehr verändert und die neue Richtung gefällt mir nicht mehr, passt aber wahrscheinlich irgendwie zur gesellschaftlichen Veränderung.

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