Steffi von Wolff: Ausgebucht

10 Jan

„Fanny hatte sich alles gut überlegt. Dine und Katinka winkten je eine Million Euro! Aber so, wie es aussah, würde sie von der Erbschaft nie etwas haben, weil sie sich schon vorher gegenseitig meuchelten. Außerdem hatte keine von beiden je Ambitionen dahin gehend gehabt, ein Hotel zu besitzen, und schon gar nicht in Altkirchtrup, diesem Kaff an der Küste, das nur ganz wenige Einwohner hatte, von denen sieben Achtel sowieso Schwerstalkoholiker waren, weil man in Altkirchtrup nichts machen konnte außer Kühe melken, Mähdrescher warten und saufen.“

rororo ist offensichtlich sehr optimistisch, was den Verkauf dieses Romans angeht: Auf der ersten Auflage klebte gleich, gut sichtbar, ein fetter „Bestseller!“-Aufkleber. Nach meinem Kampf durch Hilary Mantels „Wölfe“ freute ich mich auf etwas weniger Anspruchsvolles – insofern sollte ich eigentlich recht zufrieden sein…

Heute entdeckte ich, dass „Ausgebucht“ in die Kategorie „Junge Erwachsene“ zu gehören scheint. Etwas deprimierend, denn scheinbar gehört man mit Mitte 20 schon nicht mehr zur Zielgruppe ;-)  Unwissend hatte ich mich aufgrund einer ganz witzig scheinenden Leseprobe bei Vorablesen dafür beworben, und nur sechs Tage nach dem offiziellen Veröffentlichungstag (allmählich sollte man sich für diese Seite einen anderen Namen überlegen) lag das Buch im Briefkasten.

Der Inhalt ist relativ simpel gestrickt: Zwei sich ständig angiftende Zwillingsschwestern erben von der Uroma ein Hotel im hinterletzten Nordsee-Kaff, das sie innerhalb von drei Monaten renovieren und anschließend mindestens drei Monate ausgebucht haben müssen. Als Belohnung winken zwei Millionen Euro – wer kann da schon nein sagen? Natürlich geht alles schief, was schiefgehen kann: Das Haus entpuppt sich als Ruine, ein Hochwasser schneidet den winzigen Ort komplett von der Außenwelt ab, Architekt und Bauleiter hassen sich wie die Pest und dann tauchen auch noch ein (ziemlich gutaussehender) Naturschützer und ein (ebenfalls ziemlich gutaussehender) Journalist auf… Tja, da ist einiges los in Altenkirchtrup! Geächtet von der Dorfbevölkerung machen sich Dine und Katinka an die Arbeit, die winkenden Millionen fest im Blick, um den „Frisenzauber“ wieder auf Vordermann zu bringen.

Das Buch war leider für mich eine wirklich herbe Enttäuschung. Ich mag gute Jugendlektüre und Bücher für junge Erwachsene recht gerne, wenn sie nicht nur aus überspitzten Klischees und nahezu hysterischen Charakteren besteht. Hier aber haben wir zwei unglaublich zickige Mädchen, die angeblich 18 sein sollen, sich aber aufführen, als säßen sie noch im Sandkasten und dabei eine Sprache gegenüber der anderen an den Tag legen, die doch etwas verwundert. Die ganze Kommunikation besteht eigentlich nur aus Beleidigungen, was vermutlich witzig sein soll, aber einfach nur kindisch ist. Insbesondere Zwillingen nimmt man nicht ab, dass sie sich derart anwidern. Die eigentliche Geschichte, nämlich die Arbeit am Hotel, kommt viel zu kurz und unwichtige Nebencharaktere wie Nachbarin Merit Janssen, deren größte Panik „der Russe“ ist, dominieren die Erzählung.

Ich hatte mir einen lockeren Stil gewünscht, aber so einfach hätte er dann doch nicht sein müssen. Genau darum widerstrebt mir Jugendliteratur oder das, was angeblich für junge Erwachsene gedacht ist, so oft: Die Sprache ist einfach so simpel gehalten und nimmt Büchern von vornherein die Möglichkeit, einen gewissen Tiefsinn zu entwickeln. Der kommt bei permanentem „Du bist blöd, blöder als blöd!“ und „Du stinkst!“ nicht. Das ist für mich wirklich ein sprachliches Niveau, wo ich mich absolut nicht amüsiere oder gar empathisch werde. Was ist witzig daran, wenn erwachsene (!) Frauen sich in diesem Ton durchgängig (!) unterhalten und sich dann aufregen, dass sie niemand ernst nimmt? Aber vielleicht bin auch wirklich zu alt dafür😀

Fazit: Es hätte Potential gehabt, aber in meinen Augen ist das Ergebnis einfach nur ein seichter Roman über völlig unreife Leute, die alle aus „Reich und schön“ zu entstammen scheinen und auf sehr hohem Niveau jammern (allerdings nicht sprachlich😉 ). Schade, es klang unterhaltsam – kurzweilig hingegen ist es auf jeden Fall, binnen drei Zugfahrten à dreißig Minuten war ich fertig.

10 Antworten to “Steffi von Wolff: Ausgebucht”

  1. Ailis Januar 10, 2011 um 10:58 am #

    Ja, so was haben wir hinter uns gelassen!😉 Obwohl: waren wir je so?

  2. Schneewittchen Januar 10, 2011 um 10:59 am #

    Ich hoffe doch nicht😀 Zumal die beiden Grazien ja nicht mal wissen, warum sie sich permanent so angehen. Das macht das Ganze ja noch total sinnloser😀

  3. Maren Januar 10, 2011 um 11:00 am #

    Ich finde ja, dieses „Young Adult“ ist ein total schwachsinniger Begriff, denn GEMEINT ist damit das, was ich eindeutig als „Jugendbuch“ bezeichnen würde. Aber warum auch nicht? YA klingt doch auch gleichviel cooler, außerdem kann man dann besser vor sich selber rechtfertigen, wieso man mit Anfang 20 ausschließlich eben diese Jugendbücher liest😉

  4. Schneewittchen Januar 10, 2011 um 12:20 pm #

    Das Blöde ist halt, dass es innerhalb von „Jugendbuch“ oder „Young Adult“ solche wahnsinnigen Niveauunterschiede (wow, ein Wort mit 2 U hintereinander…darf man das so schreiben? Es sieht so Finnisch aus😀 ) gibt. Beispielsweise läuft dieses „Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vorbei sagen sie“ auch unter „Jugendbuch“, ist aber allein von der Sprache her schon ziemlich erwachsen, dort ist hauptsächlich das Thema jugendlich. Aber was soll’s, es gibt ja auch bei Romanen ohne Altersangabe genug Unterschiede und Enttäuschungen😉

  5. Maren Januar 10, 2011 um 2:08 pm #

    Naja, die Niveauunterschiede gibts auch bei „Old Adult“ Literatur😉 Das ist jetzt auch nicht unbedingt was Neues, aber „Youg Adult“ weckt so eine gewisse Erwartungshaltung an das Niveau, finde ich. Da wird man dann vllt eher enttäuscht.

  6. Schneewittchen Januar 10, 2011 um 2:26 pm #

    Stimmt, da hast du recht. Vielleicht gehen wir aber auch einfach bei „Young Adult“ von den falschen Leuten aus, keine Ahnung😀

  7. Maren Januar 10, 2011 um 10:20 pm #

    das ist gut möglich😀
    (Ich kenne nur die Old Adult Bücher von Steffi von Wolff, und die schreibt schon seeehr… skurril und eigen. Das muss man echt mögen – insofern kanns auch gut sein, dass die einfach nur die Autorin nicht liegt.)

  8. Nina [libromanie] Januar 11, 2011 um 12:09 am #

    Ich hab vor Jahren »Die Knebel von Mavelon« von der Autorin gelesen und obwohl ich es ja eigentlich gerne skurril mag, fand ich die Geschichte so dermaßen albern erzählt, dass ich seitdem nie wieder etwas von ihr in die Hand genommen habe.

  9. Marie Januar 11, 2011 um 8:58 am #

    Du meine Güte, auf der Suche danach bei Amazon hab ich mich verschrieben – „Die Knebel von Avelon“. Das Ergebnis war etwas überraschend😀 Jedenfalls scheint sie in der Tat einen etwas skurrilen Geschmack zu haben, der allerdings sehr ins Lächerliche abdriftet. Schade, ich hatte da irgendwie was anderes erwartet. Aber wieder was gelernt😉

  10. catbooks Januar 14, 2011 um 10:53 am #

    Ich habe mir schon fast gedacht, dass dieses Buch eine totale Enttäuscht wird.
    Ich habe mich damals total auf „ausgezogen“ gefreut und musste ebenfalls eine herbe Enttäuschung erleben!
    Danke für deine Rezi und ich werde mich ganz sicher nicht nochmal dazu verführen lassen etwas von Steffi v. Wolff zu lesen!!😉

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