Jane Austen: Emma

28 Feb

„Emma Woodhouse, hübsch, klug, reich, mit einem behaglichen Heim und von glücklicher Anlage, schien mit vielen der schönen Gaben des Daseins gesegnet. Sie war nun fast einundzwanzig Jahre auf der Welt, ohne mit Leid und Verdruss noch viel Bekanntschaft gemacht zu haben.“

Das einzige, was Emma zeitweise plagt, ist Langeweile. Um sich diese zu vertreiben, spielt sie die Kupplerin. Nachdem sie ihre Erzieherin, Miss Taylor, erfolgreich vermittelt hat, ist nun ihre neue Freundin Harriet Smith an der Reihe…

Obwohl Emma permanent Cupido spielt, ist sie selbst völlig unromantisch und kann mit Liebesgeständnissen oder dem Wunsch nach einem Mann wenig anfangen. Schon zu Beginn des Buches stellt sie klar, auf keinen Fall heiraten zu wollen – warum auch, schließlich hat sie genug Geld und auch sonst spricht eigentlich ihrer Ansicht nach überhaupt nichts für eine Verehelichung. Wen wundert es also, dass Emma  nach rein finanziellen und sozialen Aspekten die besten Partien auswählt?

Irrungen und Wirrungen sind also vorprogrammiert, wenn sie Harriet davon überzeugt, nicht den liebenswerten, aber ziemlich armen Mr. Martin zu erhören, sondern sich an den Pfarrer Elton zu halten. Der wiederum will aber plötzlich doch lieber Emma heiraten und bringt diese mit seinem Antrag in eine peinliche Situation: Wie soll sie ihrer Freundin erklären, dass der Auserwählte überhaupt kein Interesse an ihr hat? Und was macht man eigentlich, wenn man sich wider Willen doch verliebt und der Mann der Träume prompt der ist, den die beste Freundin jetzt auch favorisiert?

Ihr seht – es ist alles andere als langweilig, trotz beinahe 500 Seiten. Größtenteils liegt dies auch an Jane Austens Wortwitz und ihrer gekonnt eingesetzten Sprache. Im Gegensatz zu Autoren wie beispielsweise Dickens gibt es keine seitenlangen Detailbeschreibungen, sondern hauptsächlich knackige Dialoge. Die Heldin selbst ist natürlich in bester Austen-Manier selbstbewusst und klug, etwas arrogant und trotzdem sympathisch, eine Kombination, die wir ja auch schon aus „Pride and Prejudice“ kennen. Einziger Unterschied ist nun, dass Emma die einzige Protagonistin in Austens Büchern ist, die überhaupt keinerlei finanzielle Probleme hat und demzufolge mit einer beinahe unverschämt lockeren Attitüde durch die Welt hüpft.

Ein witziger Roman, bei dem man allerdings, wenn man ihn auf Deutsch liest, sehr auf die Übersetzung achten sollte, da bei einigen Versionen der Sprachwitz völlig auf der Strecke bleibt. Und für alle, die keine 500 Seiten lesen möchten, wurde das Werk ja wunderbar mit Gwyneth Paltrow und Jeremy Northam verfilmt😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: