Sacha Sperling: Ich dich auch nicht

10 Mrz

„Ihr habt es sicher vergessen, aber eines Tages habt ihr euch, wie ich, eure Langeweile bewusst gemacht, und in diesem Augenblick ist sie euch unerträglich geworden. Wie ich habt ihr begriffen, dass euer Leben beginnt, ohne dass ihr was dafür könnt. Weil ihr, wie ich, vierzehn Jahre alt gewesen seid.“

Sacha Sperling wird in Frankreich dafür gefeiert, dass er im zarten Alter von 20 angeblich provozierender und skandalöser schreibt als Michel Houellebecq – auf jeden Fall tut er es mit großem Erfolg.

Sacha ist 14 und von seinem Leben gelangweilt. Er geht auf eine Privatschule, seine Mutter überschüttet ihn mit Geld und Liebe, der wesentlich strengere Vater kann sich nicht gegen den angeödeten Jungen durchsetzen, ist ja aber ohnehin so gut wie nie da. Schwierig, wenn man mit knapp 14 so desinteressiert ist, dass einem vor lauter Langeweile gar nichts mehr einfällt. Sache tut eigentlich den ganzen Tag nichts, was aber, abgesehen von einigen Lehrern, offensichtlich niemanden stört, ihn selbst am wenigsten.

Schließlich lernt er Augustin kennen, den Rebellen. Ab da gerät Sachas Leben auf die Achterbahn: Er verliebt sich in Augustin, was beide allerdings nicht von diversen amourösen Abenteuern mit zahlreichen Mädchen abhält. Sie schwänzen die Schule, trinken hauptsächlich geklauten Wodka und nutzen die restliche Zeit zum Kiffen. Trotz alledem ist Sacha auf der Suche nach mehr. Wonach, weiß er selber nicht genau: „Deine Vergnügungen sind wie Waffenruhen, leicht und schnell zu haben. Du hast alles, und trotzdem stellst du allmählich fest, dass dein Herz leer und dein Kopf voller gewaltsamer Bilder ist, und nur die erinnern dich noch daran, dass du lebendig bist.“

Skandalös dürfte ein solches Buch in Zeiten von „Feuchtgebiete“ und Co. vermutlich nicht mehr sein, zumindest nicht außerhalb von Frankreich, wo Sacha Sperling nicht nur irgendein Jugendlicher ist, sondern der Sohn relativ berühmter Eltern. Sicherlich möchte der Autor mit seinen harten Worten und Bildern schockieren, teilweise gelingt es ihm auch, trotzdem liest man hier nichts Neues – was den Bereich des Provozierens betrifft. Da ist mittlerweile höchstwahrscheinlich auch alles schon mal gesagt worden.

Interessant wird „Du mich auch nicht“ an den Stellen, wo Sacha über sein Leben nachdenkt, ein Ziel finden will, einen Sinn. Diese Passagen machen das Buch lesenswert, anders als diejenigen, wo zum x-ten Mal gekifft, gekokst oder gesoffen wird. Sperlings Debüt hat definitiv  Tiefgang und einen spektakulären Sprachstil. Noch besser hätte mir der Roman allerdings gefallen, wenn der Autor nicht so viel Zeit damit verbracht hätte, provozieren zu wollen – manchmal ist weniger einfach mehr.

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