Rainer Moritz: Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück

2 Apr

„Nathalie fuhr sich mit dem Handrücken übers Gesicht, begann zu schluchzen und von ihrer abgebrochenen Ferienreise zu erzählen. Ich habe Angst, Josette, ich will nicht, dass alles zu Ende ist, bevor es angefangen hat. Es war so entspannt in der Bretagne. Ich habe tagelang kaum an meine Mutter gedacht, ja, das klingt herzlos, ich weiß, aber wir sind ja ans Meer gefahren, um uns den Kopf durchpusten zu lassen und zu überlegen, was wir mit diesem neuen, frischen Leben anfangen sollen.“

Es ist faszinierend, wie man bereits am Schreibstil des Autoren erkennt, wo dieses Buch spielen muss. Die Sprache versetzt den Leser schon nach wenigen Zeilen direkt nach Frankreich, man hört förmlich Chansons und möchte am liebsten sofort einen Flug nach Paris buchen. Ein sprachlich sehr schöner Roman, auch wenn ich persönlich die Abwesenheit von Anführungszeichen immer etwas anstrengend finde.

Besonders macht dieses Buch auch, dass Nathalie und Robert bereits über 40 sind. Sie stehen beide fest im Leben, eigentlich fehlte ihnen doch nicht wirklich etwas, alles verlief in festen Bahnen, die Probleme waren überschaubar – und nun sehen sie sich mit einer unverhofften, aufregenden, aber auch sehr verunsichernden neuen Situation konfrontiert. Insbesondere für Nathalie wird die unfreiwillige Fernbeziehung zu einer harten Prüfung, als sie die neu gewonnene Nähe so schnell verliert, wie gekommen ist. Ein schöner, leiser Roman der es schafft, nicht in lächerlichem Kitsch zu versinken.

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