Brendan Halpin: Song about you

14 Apr

„Es regnet, Philippa friert. Und nur für eine Minute tritt sie innerlich einen Schritt zurück und hasst das Bild, das sie abgibt: eine jämmerliche, arbeitslose Idiotin, die wie ein Köter auf die Straße kotzt, mit einem sogenannten Freund, dem sie egal ist, einer Mutter, die ihr egal ist, und keiner Zukunft außer dem Weg, der zum Krankenhaus führt.“

Philippa und Mark kennen sich nicht, aber leider kennt jeder sie, da ihre Expartner sie in zwei Songs verewigt haben, die alles andere als schmeichelhaft sind. Raquel besingt Marks jämmerliche Qualitäten als Liebhaber, Trevor rechnet mit Philippa ab, die ihn betrogen hat. Nicht gerade die Art von Ruhm, die man sich wünscht…

Halpins Geschichte beginnt, als Philippa gerade die High School beendet und völlig planlos bei ihrem Vater in London herumhängt, chronisch pleite ist und die Abende im Pub damit verbringt, der Band ihres Freundes zuzuhören. Die ist weder sonderlich gut noch berühmt – Letzteres ändert sich schlagartig, als Philippa Trevor eines Tages betrügt und unfreiwillig zur Hauptdarstellerin des Top-10-Hits „Philippa cheats“ wird. Sie flüchtet sich zurück nach Amerika, schlägt sich mit Kellnerjobs durch und gerät schließlich an den falschen Mann, bis sie eines Tages keine andere Wahl mehr hat und nach Boston flieht, um ein neues, ganz anderes Leben zu beginnen.

Währenddessen begleitet der Leser auch Mark, der mit 16 Jahren im Unitarier-Feriencamp einen Riesenhit landet: „Die Seele aus dem Leib gekotzt“. Leider wird er kein berühmter Rockstar, dafür ist er wohl einfach zu nett, sondern Lehrer. Noch immer leidet Mark darunter, dass seine kleine Schwester gestorben ist, und die einzige, die ihn trösten kann, ist Raquel, die ihm wenige Jahre später mit „Two minute lover“ sämtlicher Illusionen und jeglichen Selbstbewusstseins beraubt. Als schließlich seine Verlobte ihren Ring per FedEx zurückschickt, verschenkt Mark erst alle ihre Sachen und zertrümmert die Wohnung noch ein bisschen, bevor er sich einen neuen Job sucht – an einer anderen Schule in Boston.

Vorhersehbar? Natürlich. Aber dies ist eines der wenigen Bücher, wo man sagen kann: Der Weg ist das Ziel. Man hat Mitleid mit den beiden, die jahrelang nicht erkennen, welche Qualitäten sie eigentlich haben, die an Selbstzweifeln manchmal fast zerbrechen und erst ziemlich am Ende sein müssen, um ihre eigene Stärke zu entdecken. Am Ende ist man traurig, Philippa und Mark gehen lassen zu müssen, die einem im Laufe des Buches wirklich ans Herz wachsen. Einziger Wermutstropfen: Den Titel, „Dear catastrophe waitress“, hätte man belassen sollen – das gleichnamige Lied von „Belle & Sebastian“ diente schließlich nicht umsonst als Namensgeber.

 

 

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