Daisy Goodwin: My last duchess

19 Aug

„In the Blue Room, Cora Cash was trying to concentrate on her book. Cora found most novels hard to sympathise with – all those plain governesses – but this one had much to recommend it. The heroine was ‚handsome, clever and rich‘, rather like Cora herself. But Emma Woodhouse was motherless which meant, thought Cora, that she was handsome, clever, rich and free. That could not be said of Cora.“

Geld oder Liebe? Das ist hier die Frage…

Cora wächst Ende des 19. Jahrhunderts in Newport, Rhode Island, als reiche Erbin auf. Geld, so glaubt sie, kann ihr jede Tür öffnen. Diese Einstellung teilt ihre Mutter ebenfalls, deren hehres Ziel es ist, ihrer Tochter das Einzige zu verschaffen, das sich nicht kaufen lässt: Einen Adelstitel. Gegen ihren Willen schleppt Mrs. Cash nun Cora, die eigentlich Teddy van der Leyden heiraten will, nach Europa, um sich dort auf dem royalen Heiratsmarkt umzusehen.

Angesichts ihres finanziellen Hintergrundes mangelt es nicht an verarmten Blaublüterin, die dringend ihre Schlösser renovieren müssen. Nach einem Reitunfall schließlich wacht Cora im Schloss von Ivo Maltravers, des Duke of Wareham, wieder auf, der ihr nach wenigen Tagen einen Heiratsantrag macht. Kurz darauf heiraten beide in New York, verliebt kehrt Cora als Duchess zurück nach Lulworth. Schon bald wird ihr jedoch klar, dass sie auf dem Parkett des Hochadels völlig verloren ist, die Regeln nicht kennt und ihr altes Ich nicht zu ihrer neuen Rollen passt. Als sie endlich das größte Geheimnis in dieser verschworenen Gemeinschaft erkennt,  scheint alles verloren…

Man leidet mit ihr, der jungen, enthusiastischen Braut, die mit viel Optimismus in eine völlig neue Welt einheiratet. England ist ihr fremd, die Menschen sind steif und förmlich, Coras offenes Wesen und ihre Ehrlichkeit gelten eher als Makel denn als positive Eigenschaften. Die kulturell bedingten Ansichten ihres Mannes versteht sie immer erst dann, wenn sie in ein Fettnäpfchen getreten ist, das Personal missachtet sie und lästert hinter ihrem Rücken, die Schwiegermutter lässt keine Gelegenheit aus ihr zu zeigen, dass sie deplatziert ist. Aber, und das ist das Schöne an diesem Buch: Cora kämpft. Ohne schwülstige Liebesschwüre und schmachtende Blicke. Gegner gibt es genug, auch wenn es teilweise lange dauert, bis sie erkennt, von welcher hinterlistigen Schlange ihr Gefahr droht. Ganz nebenbei begleitet der Leser noch Coras Zofe Bertha, erfährt die Lebensgeschichte von Ivos Mutter und begegnet öfter dem übergewichtigten Prinzen of Wales, der alles Amerikanische anhimmelt.

Ganz besonders gefiel mir bei „My last duchess“ das Ende. Noch wenige Seiten vor Schluss glaubte ich zu wissen, wie es ausgeht und war enttäuscht. Zu simpel, zu schnulzig, zu sehr Nora Roberts. Aber so viel sei verraten: Cora entscheidet sich auch dort nicht für den leichten Weg. Einziges Manko war für mich der Name der Protagonistin – ausgerechnet Cora Cash? Ansonsten hat die Autorin wirklich ein kleines Meisterwerk geschrieben, das sehr gut recherchiert und unterhaltsam ist. Die reale Vorlage für „My last duchess“ ist übrigens Consuelo Vanderbilt, eine amerikanische Erbin, die den Lord of Marlborough ehelichte.

Ein tolles Buch, das im September auch als deutsche Ausgabe mit dem Titel „Eine englische Liebe“ erscheint.

5 Antworten to “Daisy Goodwin: My last duchess”

  1. irina August 19, 2011 um 8:03 pm #

    Das klingt super! Ich habe das Buch ja gerade in meiner Druckfrisch-Rubrik vorgestellt, war mir aber noch unsicher – nach deiner Rezension bin ich entschlossen, es mir definitiv zuzulegen! Passt ja auch bestens in mein Beuteschema!😉

    P.S.: Schön, mal wieder was von dir zu lesen!🙂

  2. Marie August 19, 2011 um 10:29 pm #

    Ja, ich war eine ganze Weile weg, hatte auch irgendwie gar keine Zeit zum Lesen „richtiger“ Bücher…immer nur so Krimskrams zwischendurch😉 Aber jetzt geht’s mit vollem Elan weiter und ich wühle mich erstmal durch alle eure Blogs, um auf dem neuesten Stand zu sein. Liebe Grüße!

  3. Ailis August 21, 2011 um 2:49 pm #

    Oh, da bist du wieder, wie schön!
    Bei dem Buch wüsste ich jetzt nicht sicher zu sagen, ob es was für mich ist, aber die englischen Cover haben schon was, wie ich finde.🙂

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  1. Bücher über alles » [Buchbeichte] KW 37–39. Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. - Oktober 2, 2011

    […] eingesackt – ich hatte schon viel Positives zum englischen Original gelesen, zuletzt bei Marie, und war einfach neugierig. Bislang hält sich meine Begeisterung allerdings in […]

  2. Bücher über alles » [Rezension] Daisy Goodwin: Eine englische Liebe - Oktober 20, 2011

    […] einigen Wochen aufmerksam geworden und fand, dass er sehr interessant klingt. Als dann auch noch Marie das Buch so positiv besprochen hat und mir die deutsche Ausgabe in der Buchhandlung am Flughafen […]

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