Hjorth und Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war

19 Okt

„Er gab dem Jungen einen Stoß, und der Körper fiel mit einem lauten Platsch ins Wasser. Überrascht von dem plötzlichen Geräusch in der Stille der Dunkelheit, fuhr der Mann zusammen. Die Leiche des Jungen versank im Wasser und verschwand. Der Mann, der kein Mörder war, kehrte zu seinem Auto zurück, das er auf einem kleinen Waldweg geparkt hatte, und fuhr nach Hause.“

Abgesehen von Ake Edwardson liegt mir skandinavische Kriminalliteratur nicht wirklich, weswegen ich sehr positiv von „Der Mann, der kein Mörder war“ überrascht wurde. Der Plot ist relativ simpel gehalten: Ein 16jähriger Schüler, Roger Eriksson, wird ermordet aufgefunden. Alle Spuren führen immer wieder zum elitären Palmlövksa-Gymnasium, wo der Junge als eine Art lebendes „Sozialprojekt“ hingehen durfte.

Insgesamt gefällt mir das Buch wirklich gut. Die Sprache ist angenehm, nicht zu düster, aber auch nicht zu oberflächlich. Der Plot an sich ist stimmig, das Ergebnis logisch und trotzdem überraschend. Die Personen werden schön eingeführt, nach und nach erfährt man in kleinen Happen mehr über sie. Die persönlichen Beziehungen und Belange sind auch dringend erforderlich, da es sonst streckenweise etwas langatmig gewesen wäre, wenn die Ermittlungen stagnieren .Irritierend war für mich, wie relativ lange es doch dauerte, bis Sebastian Bergmann in den Fall einsteigt, mit welcher Begründung man ihn einfach hinzuziehen kann. Das wirkte etwas erzwungen, stellt aber kein größeres Problem dar.

Die Figur Bergmann ist interessant, trotzdem fehlte mir teilweise etwas der Zugang – er scheint in sich nicht stimmig zu sein, obwohl viele seiner Aktionen nachvollziehbar sind. Insbesondere sein Alter finde ich problematisch. Seine Gedankengänge und sein Verhalten sind – selbst unter Einbeziehung seiner Biographie – für mein Empfinden zu jung für einen über 50jährigen Mann. „Sie werden es lieben, ihn zu hassen!“ , was als Motto auf den Presseexemplaren stand und später geändert wurde, ist für die Bergmann-Reihe auch etwas überzogen. Man hasst Bergmann nicht, da man von Anfang weiß, wieso er sich derart verhält, insofern ist das zu dramatisch.

Alles in allem ein wirklich gutes Buch, bei dem man auf die Fortsetzung gespannt ist. Insbesondere die persönlichen Verwicklungen Bergmanns sind ein großartiger Cliffhanger.

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