Elizabeth George: Believing the lie

17 Jan

„Barbara Havers shrieked when she saw herselt in the bathroom mirror, having stumbled towards the loo upon rising in the early morning and having forgotten that her appearance was decidedly altered. Her heart leapt in her chest and she swung round ready to confront the woman she saw in an oblique angle of the mirror.“ 

Alles beginnt mit einer Einladung von Lynleys Chef Hillier: Ian Cresswell, der Neffe seines Freundes Sir Bernard Fairclough, ist ertrunken. Fairclough glaubt nicht an einen Unfall und möchte die Angelegenheit diskret überprüfen lassen. Inspector Lynley macht sich also auf den Weg nach Cumbria, um dort undercover zu ermitteln. Erschwert wird seine Arbeit nicht nur durch die zahlreichen Konfliktherde innerhalb der Fairclough-Sippe, sondern besonders durch Acting Superintendent Isabelle Ardery: Die Tatsache, dass ihr Liebhaber keinerlei Erklärung für sein spontanes Verschwinden abgeben darf sorgt für schlechte Stimmung, unter der besonders Barbara zu leiden hat.

Wie gewohnt setzt Elizabeth George auf möglichst viele Personen, die alle in irgendeiner Weise problembeladen sind: Faircloughs Tochter Mignon, die ihren Vater erpresst; deren Zwillingsschwester Manette, die immer noch mit dem Ex-Mann unter einem Dach lebt; Schwiegertochter Alatea, deren Vergangenheit höchst undurchsichtig ist; Sohn Nicholas, ehemaliger Drogenabhängiger und nun der ewige Büßer; Ians Sohn Tim, der seinen homosexuellen Vater hasste und am liebsten tot wäre – um nur einige zu nennen. Mittendrin sind ebenfalls ein junger Reporter einer Klatschzeitung, der die Story seines Lebens sucht, Simon St. James als Sachverständiger und natürlich Deborah.

Womit wir auch gleich beim größten Problem von „Beliving the lie“ wären: Deborah. Man hat sich ja mittlerweile damit abgefunden, dass sämtliche ihrer irrationalen Reaktionen mit der ungewollten Kinderlosigkeit erklären werden, aber nun hat ihr Verhalten einen neuen Höhepunkt erreicht. Starrköpfig wie ein kleines Kind spielt sie Sherlock Holmes, mischt sich überall ein, kennt keinerlei Grenzen und gibt sich schließlich sogar als Mitarbeiter des Yards aus, um voranzukommen. Lynley selbst scheint am Anfang hauptsächlich planlos herumzulaufen, sucht nach Ansatzpunkten für einen Mord, findet aber keinerlei Beweise. Unterstützung sucht er bei Barbara Havers, die gewohnt großartig, witzig und chaotisch ist. Leider scheint es ihr partout nicht vergönnt, im Privatleben auch nur ein kleines bisschen Glück zu haben – am Ende wartet ein so harter Schlag auf Barbara, dass man am liebsten wütend das Buch in die Ecke werfen würde.

Georges Schreibstil und insbesondere ihre Landschafts- und Personenbeschreibungen sind wie immer überzeugend, lediglich der neue Aufbau des Krimis ist in meinen Augen nicht geglückt: Anders als sonst gibt es keine Kapitel, sondern eine Unterteilung in Tage und Schauplätze. Vermutlich ein Weg, um noch mehr Charakteren Raum zu geben, aber die oft sprunghaften Wechsel zwischen den einzelnen Szenen hätten meiner Meinung nach nicht sein müssen. Dadurch wird das Buch sehr lang, denn jede der Nebenhandlungen ist akribisch ausgearbeitet und beansprucht viel Platz.

Fazit: Zu viel Drama, zu viele Stereotypen, zu viel Text. Es würde der Reihe sehr gut tun, wenn Elizabeth George sich auf ein Thema konzentriert und sparsamer mit extremen Charakteren umgeht.

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