Tag Archives: dtv

Laurence Gonzales: Lucy

11 Dez

„Am nächsten Morgen hörten sie den Hubschrauber schon lange, bevor sie ihn sahen. Er kam dröhnend herangeflogen und kreiste ein paarmal über ihnen, ehe er auf einer nahe gelegenen Lichtung landete. Das ganze Dorf kam angerannt, um die Maschine in Augenschein zu nehmen. Vier Stunden später landeten sie auf dem Flughafen von Kinshasa. Und nach einer weiteren Stunde saßen sie in einem Büro der Botschaft und sahen zu, wie David Meece in aller Eile seine Sachen zusammenpackte.“

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David Abbott: Die späte Ernte des Henry Cage

15 Mrz

„Der Hörer fiel ihm aus der Hand und knallte auf die Steinplatte. Er hob ihn auf, aber die Leitung war tot. Als sein Sohn zwanzig Minuten später mit Beth eintraf (so lange brauchte man, um gemächlich von einem Haus zum anderen zu fahren), fand er seinen Vater auf dem Küchenboden sitzend vor, wie er das kaputte Telefon in den Händen wiegte und leise weinte.“

Henry Cage, Star der Werbebranche, geht endlich in den, wie alle Kollegen nicht müde werden zu betonen, wohlverdienten Ruhestand. Trotz seines oberflächlich erfolgreichen Lebens merkt Henry erst jetzt, wie einsam er wirklich ist.

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Cornelia Read: Es wartet der Tod

5 Feb

„Durch die Glastür sah ich, wie Santangelo den Flur herunterkam, der Mund ein grimmiger Strich im schwarzen Nest seines Spitzbarts. Er sah aus wie das Phantom der Opfer: Er trug ein Cape und ein bauschiges Piratenhemd, das weit genug aufgeknöpft war, um den schwarzen Pelz zu entblöden, der zwischen seinen schlappen Brustmuskeln spross.“

Man schreibt das Jahr 1989: Madeline Dare landet nach einem unglücklichen Zwischenfall an der seltsamen Santangelo-Academy in den Bergen von Massachussetts. Nicht etwa, weil sie die Erziehungsmethoden dieses Internats für schwer erziehbare und psychisch gestörte Jugendliche so brillant findet, sondern weil sie ganz dringend einen Job braucht. Als zwei Teenager sterben und die Schule es als vorhersehbaren Selbstmord verkaufen will, macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit…

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Aravind Adiga: Der weiße Tiger

2 Feb

„Wenn Sie meine Geschichte gehört haben – wie ich nach Bangalore gekommen bin und dort einer der erfolgreichsten (wenn auch am wenigsten bekannten) Geschäftsleute geworden bin -, dann wissen Sie alles, was Sie über das Entstehen, Fördern und Entwickeln von Unternehmergeist in diesem glorreichen 21. Jahrhundert des Menschengeschlechts wissen müssen.“

Indische Literatur ist oft, wie auch die Bollywood-Filme, äußerst farbenprächtig und vor allem langatmig. Spätestens nach Rohinton Mistry großartigem „Das Gleichgewicht der Welt“ weiß man, wie lang ein Buch werden kann, ohne ermüdend zu sein oder an Spannung zu verlieren. Umso überraschender war für mich, dass „Der weiße Tiger“ gerade einmal 300 Seiten hat und in einem völlig untypischen Stil daherkommt – die ganze Geschichte wird in Form von eMails erzählt.

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Chris Cleave: Little Bee

25 Jan

„Ich bin überhaupt nur deshalb am Leben, weil ich das Englisch der Königin gelernt habe. Vielleicht meint ihr, das sei gar nicht so schwer. Immerhin ist Englisch die Amtssprache meines Heimatlandes Nigeria. Das stimmt schon, das Problem ist nur, dass wir es bei uns zu Hause so viel besser sprachen als ihr. Das Englisch der Königin zu lernen ist so, als würde man am Morgen nach einem Tanz den leuchtend roten Lack von den Zehennägeln schrubben. Es dauert lange, und am Ende bleibt immer ein bisschen übrig, ein roter Rand, der einen an den Spaß erinnert, den man hatte.“

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Blanca Busquets: Die Woll-Lust der Maria Dolors

13 Jan

„Noch eine, die leiden wird, denkt Dolors nun. Ganz bestimmt, denn wenn Jofre dieser Mònica überdrüssig ist, lässt er sie fallen wie eine heiße Kartoffel, so ist das Leben immer: In den friedlichsten Momenten, wenn man glaubt, ganz in sich zu ruhen, nimmt es plötzlich wieder eine unerwartete Wendung. Dolors lässt ihre Strickarbeit sinken, voll Wut über ihre Schwiegersohn. Unerhört, was sich der da herausnahm!“

Nach einem Schlaganfall lebt Dolors bei ihrer Tochter Leonor, deren Mann Jofre und den Kindern Sandra und Martí. Sie kann nicht mehr sprechen, aber dafür hört sie umso besser. Strickend sitzt sie also Tag für Tag in ihrem Sessel und bekommt als Einzige mit, was sich im Haus abspielt, denn außer Enkel Martì glauben alle, dass Oma sowieso nicht mehr viel kapiert…

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Goran Petrovic: Die Villa am Rande der Zeit

1 Jan

„Schon beim ersten, flüchtigen Blick in das Buch wurde Jelena klar, dass sie überhaupt nicht lesen wollte. Ob sie sich wohl mit Müdigkeit oder Unwohlsein herausreden könnte? Nach einem verstohlenen Seitenblick auf Natalija Dimitrijevic verwarf Jelena alle Ausflüchte. Die alte Dame tat hinter den Gläsern ihrer Brille, die ihre Augen unnatürlich vergrößerten, fast keinen Wimpernschlag und es kaum erwarten, ihren Tee auszutrinken und endlich aufzubrechen.“

Adam Lozanic erhält den seltsamen Auftrag, „Mein Vermächtnis“, ein Jahrzehnte altes Buch von Anastas Branica, umzuarbeiten. Plötzlich landet Adam mitten im Roman und begegnet dort Natalija. Als ein Mord geschieht, muss sich der junge Mann entscheiden – soll er einfach mit seiner Arbeit fortfahren oder eingreifen?

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